Ernährungsmythos #7: Barfen ist die beste Wahl
Barfen – der einzig wahre Weg zur artgerechten Fütterung?
Warum dieser Mythos nicht immer stimmt und worauf du achten solltest
Immer mehr Hundehalterinnen und Hundehalter möchten ihre Fellnase möglichst naturnah und gesund ernähren. Die Idee: Zurück zur Wurzel – oder besser gesagt: zum Wolf.
Die sogenannte BARF-Ernährung (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter) basiert auf dem Prinzip, dem Hund ausschließlich rohe, natürliche Zutaten zu füttern: Fleisch, Knochen, Innereien, Gemüse, Obst und je nach Bedarf Öle und Ergänzungen.
Das Versprechen?
Eine Ernährung ganz ohne Füllstoffe, Konservierungsmittel oder industrielle Verarbeitung – genau so, wie es der Wolf in der Natur fressen würde.
Doch ist Barfen wirklich immer die beste Wahl für jeden Hund?
In diesem Beitrag räumen wir mit dem Mythos auf und zeigen dir, wann Barfen sinnvoll sein kann, welche Risiken oft unterschätzt werden und wie du die beste Entscheidung für dein Tier triffst.
📌 Was bedeutet Barfen überhaupt?
BARF steht für:
„Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ – eine Fütterungsform, die möglichst naturnah sein soll. Sie besteht im Wesentlichen aus:
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70–80 % tierischen Bestandteilen (Muskelfleisch, Innereien, Knochen)
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20–30 % pflanzlichen Anteilen (Gemüse, Obst)
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Ergänzt durch Öle, Mineralien, Vitamine und andere Zusätze
Ziel ist es, die Ernährung des Hundes an die Beute eines wilden Vorfahren anzulehnen – ohne industriell hergestelltes Futter.
✅ Wann kann Barfen sinnvoll sein?
Barfen kann für manche Hunde durchaus gesund und vorteilhaft sein – vorausgesetzt, es wird richtig gemacht:
Individuelle Unverträglichkeiten:
Manche Hunde reagieren empfindlich auf Zusatzstoffe, Getreide oder bestimmte Eiweißquellen in Fertigfutter. Hier kann BARF helfen.
Transparenz für Halter:
Du weißt genau, was im Napf landet – keine versteckten Zusätze, keine minderwertigen Nebenprodukte.
Maßgeschneiderte Ernährung:
Barfen lässt sich an spezielle Bedürfnisse anpassen – von Gewichtsreduktion über Allergien bis hin zu sportlich aktiven Hunden.
Positive Erfahrungsberichte:
Viele Hundehalter berichten von glänzendem Fell, weniger Kotabsatz, besserem Körpergewicht und gesteigertem Wohlbefinden.
Aber – und das ist entscheidend – diese Vorteile entstehen nur bei korrekter Umsetzung. Und genau hier liegt das Problem.
⚠️ Die häufigsten Fehler beim Barfen
1. Nährstofflücken & Mangelerscheinungen
Viele Barf-Rationen enthalten zu wenig Calcium, kein Jod, zu wenig Vitamin D oder E – oder das falsche Verhältnis von Kalzium zu Phosphor.
Folge: Knochenschäden, Wachstumsstörungen, Stoffwechselprobleme.
2. Überdosierungen & Fehlversorgungen
„Viel hilft viel“ gilt bei Nährstoffen nicht. Übermäßige Gaben von Leber führen z. B. zu einer Vitamin-A-Vergiftung, zu viele Knochen können Verstopfungen oder Kalziumüberschuss verursachen.
Barf-Rationen müssen genau berechnet werden – pauschale Pläne reichen oft nicht.
3. Keine professionelle Begleitung
Viele Menschen beginnen zu barfen, ohne sich vorher fundiert zu informieren oder eine Fachperson einzubeziehen. Das führt zu unausgewogenen Rationen, falscher Supplementierung oder komplett fehlenden Nährstoffen.
Ein Ernährungsplan vom Tierarzt oder einem spezialisierten Ernährungsberater ist unverzichtbar.
4. Hygienerisiko für Tier & Mensch
Rohes Fleisch kann Keime wie Salmonellen, Campylobacter oder Listerien enthalten.
Gerade in Haushalten mit kleinen Kindern, älteren Menschen oder immungeschwächten Personen stellt das eine reale Gefahr dar.
Hygieneregeln müssen konsequent eingehalten werden – und nicht jeder Haushalt kann das gewährleisten.
5. Nicht jeder Hund profitiert vom Barfen
Barfen ist nicht für alle Hunde geeignet:
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Welpen im Wachstum (hoher Nährstoffbedarf, sensible Knochenentwicklung)
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Alte Hunde mit Nierenproblemen oder chronischen Erkrankungen
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Tiere mit empfindlichem Verdauungssystem
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Hunde mit Übergewicht oder chronischen Erkrankungen
In diesen Fällen kann eine therapeutisch abgestimmte, hochwertige Fertigfütterung die bessere – und sicherere – Lösung sein.
💡 Fazit: Barfen kann gut sein – ist aber keine Universallösung
Barfen ist nicht automatisch gesünder, nicht immer artgerechter und vor allem nicht einfach.
Es erfordert:
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Tiefes Wissen über Nährstoffe
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Zeit für Planung & Zubereitung
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Regelmäßige tierärztliche Kontrolle
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Offenheit, das eigene Fütterungskonzept zu hinterfragen
Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann seinen Hund erfolgreich und gesund barfen.
Wer jedoch denkt, "ein bisschen Fleisch und Gemüse" reicht – der riskiert gesundheitliche Schäden beim eigenen Tier.